Latein

Informationen zur Trier-Fahrt der Lateinklassen Jahrgang 8 gibt es hier: Latein-Fahrt


Latein lernen – eine Menge guter Gründe!

Nicht zu leugnen sind zunächst einmal zwei ganz pragmatische Gründe, die viele Schüler Latein lernen lassen: Erstens das für bestimmte Studiengänge erforderliche LATINUM; zweitens die Notwendigkeit zur Wahl einer ZWEITEN FREMDSPRACHE verbunden mit der Hoffnung, Latein sei eigentlich keine echt Fremdsprache, sondern so etwas wie Mathematik – nur ohne Zahlen. Tatsächlich ist nicht zu leugnen, dass Lateinunterricht in mancher Hinsicht „leichter“ ist als moderner Fremdsprachenunterricht: Es gibt keine Ausspracheübungen mit hohem Blamagefaktor, keine lästigen Gruppenarbeiten zur Erstellung von dialogischen Szenen, keine orthographischen und grammatischen Probleme bei Aufsätzen in der Fremdsprache, kurzum: weder nennenswerte aktive mündliche Sprachproduktion noch Zwang zur kommunikativen Kompetenz. Man muss sich aber davor hüten, Latein den Ruf eines Hortes für introvertierte und sprachpraktisch unbegabte Knobelfreunde unter den Schülern zu verleihen. LATEIN ist eine NATÜRLICHE SPRACHE und sollte gerade auch die echten Sprachenfreunde unter Schülern ansprechen.

LATEIN ist in der langen europäischen Geistesgeschichte die mit Abstand WICHTIGSTE und am meisten gebrauchte Sprache. Seit der Ausbreitung des Römischen Reiches wurde sie zur lingua franca des gesamten Mittelmeerraumes und hat den Untergang des Imperium Romanum als Kommunikationssprache nicht nur überlebt, sondern sie hat sich als SPRECH- UND SCHRIFTMEDIUM im Mittelalter weit nach Norden und Osten über ganz Europa und durch die spanisch-habsburgisch Kolonisierung sogar bis nach Amerika ausgebreitet. Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation begann erst gegen 1680 die Zahl der deutschen Druckerzeugnisse die der lateinischen zu überholen. Damit ist Latein die entscheidende KULTURSPRACHE der europäischen Geschichte.

Latein ist auch ein beliebtes Fach, wie Umfragen unter Schülern immer wieder zeigen. Es spricht Schüler wegen seiner abwechslungsreichen Vielfalt an Themen und Inhalten an. Es vermittelt Allgemeinwissen und Orientierungswissen. Wer bei Günther Jauch eine Million gewinnen will, hat als Lateiner klare Vorteile. Latein vermittelt als multivalentes Fach grundsätzlich zweierlei: SPRACHLICHE und HISTORISCHE BILDUNG. Man lernt eine Menge über Wort- und Sprachgeschichte, über die eigene Muttersprache, über Sprachbau und Sprachtypologie im Allgemeinen, man lernt unglaublich viele Fremdwörter und v. a. den richtigen Umgang mit ihnen. Dazu taucht man ein in Geschichte und Kultur des antiken Mittelmeerraumes mit seiner interessanten Lebenswelt und Mythologie, aber man macht auch Ausflüge ins Mittelalter und die lateinisch Neuzeit. Diese vertiefte und vielseitige Bildung macht Lateinschüler souverän: Einem Lateiner macht man so leicht nichts vor, auch wenn man ihm mit noch so abgelegenen Fremwörtern oder lateinischen Floskeln kommt – quod eratdemonstrandum.

Lateinkenntnisse helfen nicht nur, geographisch-linguistische Sprachbarrieren überwinden, sondern auch SOZIALE: Sie lassen alle Schüler gleichermaßen an der vermittelten Allgemeinbildung und Sprachförderung teilhaben. Dadurch lassen sich herkunftsbedingte Bildungsdefizite gerade im Lateinunterricht ideal kompensieren. Latein ist eben heute nicht mehr – wie frühere Gegner gern polemisierten – nur eine Sprache des gut situierten Bildungsbürgertums, sondern es fördert Bildungsaufstieg.

Durch sein FORTLEBEN in Fremdwörtern und romanischen Sprachen ist Latein auch nicht tot, sondern lebt fort. Auch lebt Latein in der GRAMMATKALISCHEN STRUKTUR und VORSTELLUNGSWELT unserer modernen Sprachen fort: So sind viele Nebensatzkonstruktionen und auch das Tempussystem des Deutschen und anderer europäischer Sprachen nach lateinischem Vorbild aufgebaut. Latein begegnet einem im Alltag also mehr als so manche moderne Fremdsprache, was man auch an den vielen lateinischen Produktnamen in der Werbung sieht.

Somit ist Latein ein überaus nützliches Fach, von dem Lernende ihr ganzes Leben profitieren können. Eines lernt man besonders gut im Lateinunterricht, nämlich das problemlösende Denken – denn hier ist kombinatorische Intelligenz gefragt. Latein erfordert ein besonders genaues und geduldiges Arbeiten, alles SCHLÜSSELQUALIFIKATIONEN, die es auch für eher bildungsferne Utilitaristen interessant machen.

Latein ist schließlich auch ein ästhetisch ansprechendes Fach: Man bekommt im Unterricht häufig Einblick in die antike Kunst, aber vor allem lernt man natürlich die antike Literatur kennen.


aus: Peter Kuhlmann, Fachdidaktik Latein kompakt, Göttingen 2009, S. 37 ff. (leicht gekürzt)
(Mit freundlicher Gemehmigung des Verlages Vandenhoeck und Ruprecht http://www.v-r.de/de/)

 

Nützliche Links

http://www.altesprachen.de/

http://www.altphilologenverband.de

http://www.latein.ch/home/

http://www.roma-antiqua.de/

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