Geschichte des Jade-Gymnasiums 1948-2011

Private Oberschule Jade

 

1948-1998

50 Jahre Jade-Gymnasium, 50 Jahre Schule in privater Trägerschaft - was kurz nach dem 2. Weltkrieg stark improvisiert begann, ist heute eine florierende, aus der schulischen Landschaft der Region nicht mehr wegzudenkende Einrichtung geworden: ein mit etwa 750 Schülern großes, modernes und mit staatlicher Anerkennung geführtes Gymnasium.

Bis die Schule zu dem wurde, was sie heute darstellt, war jedoch in ihrer 50-jährigen Geschichte so manche Hürde zu nehmen.

Den Bildungsnotstand verhindern

urkunde

Gab es auch Vorläufer des Jade-Gymnasiums vor dem Jahr 1948, so hat die heutige Schule ihren Anfang mit der Gründung des "Privatschulvereins Jade e.V." als Träger der "Privaten Oberschule Jade" im November 1948 genommen. Anlass für die Gründung war die fehlende Aufnahmekapazität des Vareler Gymnasiums für Kinder aus Jade und Umgebung und der damit verbundene Bildungsnotstand für diese Kinder. Die von Anfang an erforderliche und auch erteilte staatliche Genehmigung durch die Regierung erstreckte sich zunächst auf die Klassen 5 bis 8, sodass anschließend noch ein Wechsel an das Vareler Gymnasium notwendig wurde.

Gaststätte Brumund stellt UnterrichtsraumStudienrat Volkmer mit der Klasse von 1954

Das sogenannte "Brettergymnasium"
Die einzige Klasse des ersten Jahres führte Oberschullehrer Volkmer als Lehrer und als Schulleiter. Räumlich und finanziell war die Schule heute unvorstellbaren Bedingungen unterworfen: Der Unterricht fand in einem Raum in der Gaststätte Brumund in Jade statt. Finanzielle Unterstützung vom Staat gab es nicht, sodass die Schule ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen, Schulgeld und Elternspenden getragen werden musste.

Gaststaette Brumund JadeGaststaette Brumund Jade
Bereits im Jahr nach der Gründung verdoppelte sich die Klassen-, Schüler- und die Lehrerzahl auf 2 Klassen, 2 Lehrer und 33 Schüler. Räumlich war man immer noch beschränkt auf zwei Räume in der Gaststätte Brumund, eine davon eine zugige Veranda, deren Fenster im Winter mit Brettern und Pappe notdürftig abgedichtet wurden.

Schulleiter Volkmer, der bis 1950 dieses Amt bekleidete, wurde in diesem Jahr von OStD Gerhard Klaucke (gest. 1975) als Schulleiter abgelöst.

Von Jahr zu Jahr stieg die Schülerzahl und damit auch der Bedarf an Lehrkräften und Räumen. 1952 verfügte die Schule über 4 Klassen, 4 Lehrer und 66 Schüler. Das Schulgeld in dieser Zeit betrug 35 DM pro Kind und Monat.

Bereits 1953 wurde der nun als „Anerkannte private höhere Schule Jade" geführten Bildungseinrichtung die Erweiterung um die Klassen 9 und 10 genehmigt.

Das sich zwangsläufig ergebende (durch stetigen Schülerzuwachs die gesamte Geschichte des Jade-Gymnasiums durchziehende) Raumproblem wurde 1954 durch den Ankauf einer alten Wehrmachtsbaracke für 10.000 DM und die Aufnahme des Schulbetriebs darin ab Ostern 1954 gelöst.

Mittlere Reife beflügelt die Schule

1955 stellte die erste Abschlussprüfung der Klasse 10 (Mittlere Reife) einen Meilenstein in der Geschichte der Schule dar: Mit diesem Leistungsnachweis erhielt die Schule ihre Unabhängigkeit von der Aufsicht durch das Gymnasium Varel und die ersehnte "Staatliche Anerkennung".

1957 folgte - notwendig durch ein erlassenes Privatschulgesetz - die Umbenennung der Schule in "Progymnasium Jade, anerkanntes privates neusprachliches Gymnasium". Auch die Finanzierung der Schule änderte sich durch das Gesetz grundlegend: Was bislang allein auf dem finanziellen Rücken der Eltern- und Lehrerschaft lastete, wurde nun zu einem erheblichen Teil vom Staat getragen. Die Lehrer erhielten tariflichen Lohn und mussten nicht mehr Naturallohn und Lohneinbußen hinnehmen.

Jaderberg oder Wiefelstede?

Im Jahr 1958 wurde OStD Klaucke als Schulleiter von Studienrat Hartmann abgelöst. Die Schule hatte mittlerweile 6 Klassen und etwa 145 Schüler. 1963 wurde in Jaderberg ein Baugrundstück erworben, der heutige Standort des Jade-Gymnasiums. Die Raumnot war inzwischen so groß geworden, dass die Schulbehörde gar mit dem Entzug der staatlichen Anerkennung drohte, wenn nicht Abhilfe geschaffen würde. Doch die Bauplanungen verzögerten sich durch bis 1965, da ein Streit um den Schulstandort entbrannte: Die Gemeinde wollte die Schule in Jade belassen, die Schulvereinsmitglieder zogen Jaderberg vor. Der Streit gipfelte in dem Antrag auf Verlegung des Schulstandortes nach Wiefelstede, woraufhin die Gemeinde einlenkte und dem Schulstandort Jaderberg zustimmte.

1973 - Erstes Abitur zum 25-jährigen Bestehen

Mittlerweile hatte Oberstudienrat Helms 1965 die Leitung der Schule von Oberstudienrat Zimdars (1963 - 1965) übernommen. Während seiner Amtszeit wurden 1968 die Bauarbeiten an dem 541.500 DM teuren Neubau abgeschlossen und der Umzug vollzogen. Bereits kurz darauf, im Jahr 1969, reifte der Wunsch nach Einrichtung einer Oberstufe und endete in der Genehmigung durch das Kultusministerium im Sommer 1970: Mit 16 Schülern wurde daraufhin die erste Klasse 11 am Progymnasium Jade eröffnet, von denen 8 im 25. Jahr nach der Gründung der Schule die Abiturprüfung ablegten. Dass - wieder einmal - eine räumliche Erweiterung notwendig wurde, versteht sich mittlerweile fast von selbst: 3 neue Klassenräume boten seit 1972 der Oberstufe den benötigten Platz. Zu dieser Zeit umfasste die Schule 224 Schülerinnen und Schüler in 9 Klassen sowie 20 Lehrkräfte. 1974 begann mit der Klasse 5 die Zweizügigkeit (2 Klassen 5 werden parallel geführt).

Oberstufenreform 1977 - und wieder neue Räume

Mit der 1977 umgesetzten Oberstufenreform (Klassenverbände wurden aufgelöst, das Kurssystem eingeführt) wurden 6 neue Unterrichtsräume notwendig. 660.000 DM wurden dafür in die mittlerweile durch Studiendirektor Walter Zulauf (später Schulleiter am Vareler Lothar-Meyer-Gymnasium) geleitete Schule investiert.

1979 übernahm Dr. Helmut Dinse als Nachfolger von Herrn Zulauf die Schulleitung. Unter seiner Regie wuchs das Jade-Gymnasium kontinuierlich weiter auf eine Größe von ca. 640 Schülern im Jahr 1992 bei durchgehender Dreizügigkeit (jeweils drei Parallelklassen). 1995 wechselte dann Oberstudiendirektor Günter Mertins an die Spitze der Schule.

Der enorme Schülerzustrom heizte die Diskussion um die Zukunft der Schule an. Das Dilemma: Die familiäre Atmosphäre könnte an einer größeren Schule verlorengehen, eine "kleine" Schule wäre aber wegen der prekären Bildungspolitik des Landes nicht finanzierbar. Die Lösung: Begrenztes Wachstum auf eine angestrebte Schülerzahl von 740 Schülern bei Vierzügigkeit der Klassen 7 bis 11 und Dreizügigkeit der Klassen 5 und 6.

Letzte Bauphase - vorerst!

Wie könnte es anders sein, für die angestrebte Schüler- und Klassenzahl wurde ein Neubau notwendig. 2,6 Millionen DM wurden investiert, um Klassenräume, ein Lehrerzimmer, Fachräume und vieles mehr zu schaffen und zu modernisieren. Auch ein komplett neuer Schulhof steht seitdem zur Verfügung. Mittlerweile, d.h. im aktuellen Schuljahr 1997/98, ist auch die angestrebte Schulstruktur mit 735 Schülern erreicht.

1998, im 50. Jahr des Bestehens der Schule, beendeten 50 Schülerinnen und Schüler mit der Erlangung des Abiturzeugnisses als 25. Abiturjahrgang ihre Schullaufbahn am Jade-Gymnasuim. Wenn die Schule ihre Geschichte in bewährter Form fortführt, dürfte im Jahr 2023 wohl der 50. Abi-Jahrgang mit 75 Abiturientinnen und Abiturienten zum 75-jährigen Jubiläum Beweis für den Erfolg des „Jade-Gymnasium, staatlich anerkanntes Gymnasium in freier Trägerschaft" sein. Der Neubau der Schule ist jedenfalls für eine räumliche Erweiterung bereits vorbereitet.

Und danach?

So weit die Geschichte der Schule bis 1998, wie sie bis zur 50-Jahrfeier des Jade-Gymnasiums geschrieben wurde. Doch die Realität ist - wie die Jahreszählung auch - längst ein Stück weiter! So steht im neuen Millennium tatsächlich ein neuer Gebäudeteil zur Verfügung, allerdings nicht auf dem letzten "Neubau", sondern auf dem vorletzten "Neubau" als 2. Etage. Neue Kunst- und Erdkunderäume, neue Kursunterrichtsräume sowie weitere Funktionsräume bieten Platz für den Unterricht. Eine höchst attraktive Cafeteria bietet auch Platz, und zwar den Oberstufenschülern, die sich in Pausen oder Freistunden treffen und auch verpflegen können. Die neue Raumsituation bot auch der jungen Schülerbibliothek die Möglichkeit, sich räumlich zu verändern und nun - gemeinsam mit dem Bestand der früheren Lehrerbibliothek - in einem zentral gelegenen Raum als moderne Mediothek Schülern und Lehrern zur Verfügung zu stehen.

Der Anhebung der Schülerzahlen im öffentlichen Schulbereich konnte man nicht ständig entgegenwirken, und so mussten auch die Klassengrößen am Jade-Gymnasium moderat angepasst werden.

Die Nachfrage nach einem Platz am Jade-Gymnasium stieg ständig, so dass schon Ende der 90iger Jahre längst nicht mehr alle Schülerinnen und Schüler aufgenommen werden konnten und die Vorleistung entscheidend für die Aufnahme in Klasse 5 war. Mit dem Schulleitungswechsel zu Herrn Mertins ging auch der Vorsitz in der Abiturprüfung in die Hand des Schulleiters über.

Mit Beginn des Schuljahres 2001 lag die Schülerzahl bei 830. Nachdem in Niedersachsen die Orientierungsstufe abgeschafft worden war, entschloss man sich auch in Klasse 5 zur Vierzügigkeit, um die Gesamtstruktur der Schule zu erhalten. Trotz der Tatsache, dass nun alle weiterführenden Schulen über die Klasse 5 verfügten, ließ das Interesse an einem Schulplatz am Jade-Gymnasium nicht nach. Im Jahr 2004 wurde bei kompletter Vierzügigkeit die 900 Schülergrenze deutlich überschritten.

Seit 2006 ist das Jade-Gymnasium Ausbildungsschule für Studienreferendare, dem Studienseminar Wilhelmshaven angeschlossen. So werden ständig vier Studienreferendarinnen und Studienreferendare ausgebildet. Das belebt den Dialog mit jungen dynamischen Lehrkräften und erleichtert die Suche nach Nachwuchskräften.

Die bisher höchste Schülerzahl wurde mit knapp 950 Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2007/2008 erreicht. Bis zum Doppelabitur 2011 bewegte die die Schülerzahl bei durchschnittlich 920. Nach der kompletten Umstellung auf die achtjährige Gymnasialzeit sank die Schülerzahl um einen Jahrgang, und damit um etwa 100 Schüler.

Die erhöhte Stundenzahl der SEK1-Schüler bedingt durch G8 (2-3 Nachmittage Unterricht in den höheren Klassen), veranlasste den Schulträger ein Mittagessensangebot vorzuhalten. So wurde eine große Baumaßnahme nötig, im Rahmen derer eine Mensa, gleichzeitig Aula und Oberstufenarbeitsgelegenheiten geschaffen wurden. Im März 2007 konnten wir diesen Bauabschnitt einweihen. Seither trägt die Aula den Namen „Lothar Kempermann-Aula“. Namensgeber ist der Vereinsvorsitzende des Schulvereins, der seinen ehrenamtlichen Posten bis November 2010 mit großem Engagement ausfüllte. Ab November 2010 hat Herr Richter den Vorsitz des Schulvereins übernommen. Die Aula ermöglicht der Schule zukünftig kulturelle Veranstaltungen im entsprechenden Rahmen durchzuführen.