Ganz einfach kreativ

Ganz einfach kreativ

Wenn die Besucher nicht ins Museum gehen können, dann muss die Kunst zu den Besuchern kommen. Eigentlich ganz einfach, selbst in Zeiten von Corona. Die Schülerinnen und Schüler des Kunst-Prüfungskurses nutzten die Zeit des homeschoolings, um selbst ein wenig Kunst zu machen. Die Instagram-Seite "Tussen Kunst und Quarantaine" ("Zwischen Kunst und Quarantäne") lieferte die nötige Inspiration.

Anneloes Officier aus Amsterdam hatte Mitte März eine Idee, der sich unzählige Follower und auch die Schülerinnen und Schüler nicht entziehen konnten: Man wähle ein Kunstwerk aus, nehme drei Dinge aus dem Haushalt und stelle damit das gewählte Werk nach. Wenn die Schülerinnen und Schüler dann noch in einem schriftlichen Teil nicht nur den Schaffensprozess und die gewählten bildsprachlichen Mittel reflektieren, sondern zusätzlich erarbeiten, was dem Vorbild innewohnt und warum den Menschen die Selbstdarstellung so wichtig ist, die nicht erst mit dem Selfie-Hype vor fünf Jahren begann, sondern schon im 18. Jahrhundert gesellschaftlicher Bestandteil war, dann geht das weit über das einfache Nachahmen hinaus.

Sich darzustellen ist scheinbar immer wieder als ein Charakteristikum in einer Gesellschaft zu verstehen. In Zeiten von Corona gehört irgendwie das Toilettenpapier und ein Mund-Nasenschutz dazu... Das erste Foto, was Anneloes Officer auf ihrem Instagram-Account gepostet hat, war eine Adaption des Gemäldes „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ des niederländischen Malers Jan Vermeer. Statt des Turbans ein Küchentuch, anstelle des Mantels ein Platzdeckchen und eine Knoblauchknolle statt Perlohrring – mit Leichtigkeit meisterten die zwölf Schülerinnen und Schüler des Kunstprüfungskurses auch das: 1 Finn

So präsentiert Finn mit „The fall of Icarus“ ein Werk von Henri Matisse, für das er selbst nicht vor dem kalten Wasser eines Pools zurückschreckt – der Haushaltsschwamm für die gründliche Reinigung in Zeiten von Corona fehlt natürlich auch nicht. 2 Fenja

Fenja wählte mit Franz Xaver Winterhalter den Hof-Maler von Elisabeth von Österreich und ein entsprechendes Abbild, das mit mehreren Mund-Nasenschutz-Masken die Attribute, die bis auf Weiteres unverzichtbar sind, inszeniert.

3 Paul

Mit dem nötigen Humor ging Paul an die Sache, wie sein „Monaco che ride con fiasca di vino" von Gaetano Bellei zeigt, der nur wegen des Sagrotan-Sprays so lacht?

4 Malin

Durchaus als Hommage an Rene Magritte verstanden werden kann Malins „Die Liebenden 2“, die Träume und Visionen selbst zur Zeiten einer Pandemie möglich machen.

5 Rieke

Rieke stellte mit „Adele Bloch-Beuer 1“ ein Porträt von Gustav Klimt nach, die Wärmedecke ist passend gefaltet und stammt ganz treffend aus dem 1. Hilfe-Kasten.

6 Marie

Marie spielt mit Leonard da Vincis „Das Abendmahl“ auf die Familie an, die aktuell das Wichtigste sei, selbst wenn sie nicht immer da sei. Deshalb transportiert sie das Motiv auf ein Mobile Device, um Video-Telefonie zu thematisieren.

7 Lasse

Lasse wandert auf den Spuren von Hundertwasser und hatte zuhause nicht nur genügend Zeit, sondern auch ausreichend Nudeln, um sie einzufärben und daraus ein Bild zu erstellen.

8 Jule Marie

Jule-Marie erarbeitete Fulvio de Marinis Werke und setzt sich mit Mundschutz, Handschuh, Deinfektionsmittel sowie Handschuhen dann mit aktuell bekannten Accessoires im Sinne de Marinis in Szene.

9 Lea

Und auch Lea kann und will nicht auf Toilettenpapier verzichten, das sie als Ersatz für den Hermelin in Leonardo da Vincis „Dame mit dem Hermelin“ verwendet.

11 Lisa

Geschockt und schreiend zeigt sich Lisa, die mit einer Interpretation von Edvard Munchs „Der Schrei“ samt geöffneter Maske auf die aktuelle Situation aufmerksam macht.

12 Jennifer

Jennifer nahm Norman Rockwells „Boy and girl gazing at the moon“ als Ausgangspunkt für ihre Auseinandersetzung, in der sich natürlich u.a. auch wieder Toilettenpapier als Verweis auf die Corona-Pandemie findet.

10 Luisa

Das „Girl with the balloon“ von Bansky begeisterte Luisa, die so an das Miteinander erinnern will, das viele Menschen wieder in ihr Herz geschlossen haben.

Alle Schülerinnen und Schüler hatten sichtlich Freude – nicht nur bei Recherche, sondern auch der Produktion, die in Zeiten der Corona-Pandemie in aller Ruhe im häuslichen Umfeld und mit ausreichend Zeit realisiert werden konnte. (Sr)